Entscheidungs 11Os52/15d. OGH, 20-10-2015

Datum der Entscheidung:2015/10/20
 
KOSTENLOSER AUSZUG
Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 20. Oktober 2015 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Schwab als Vorsitzenden sowie die Hofrätinnen resp, Hofräte des Obersten Gerichtshofs Dr. Bachner-Foregger, Dr. Nordmeyer, Mag. Michel und Dr. Oberressl als weitere Richter in Gegenwart des Richteramtsanwärters Mag. Wüstner als Schriftführer in der Strafsache gegen MMag. Dr. Karl P*****, Dr. Helmut S***** und Mag. Christian T***** wegen des Verbrechens der Untreue nach § 153 Abs 1, Abs 2 zweiter Fall StGB über die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten sowie über die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Wien als Schöffengericht vom 12. April 2013, GZ 121 Hv 87/12v-566, nach öffentlicher Verhandlung in Anwesenheit des Vertreters der Generalprokuratur, Generalanwalt Dr. Eisenmenger, der Angeklagten und deren Verteidiger Dr. Dietrich, Dr. Rohregger und Univ.-Prof. Dr. Soyer sowie des Privatbeteiligtenvertreters Mag. Jünger zu Recht erkannt:

Spruch

Die Nichtigkeitsbeschwerden werden verworfen.

Den Berufungen wegen Strafe des Erst- und des Zweitangeklagten sowie der Staatsanwaltschaft wird nicht, jener des Drittangeklagten aber durch Herabsetzung der Freiheitsstrafe auf fünfzehn Monate Folge gegeben.

Den Berufungen wegen des Ausspruchs über die privatrechtlichen Ansprüche des Erst- und des Zweitangeklagten wird nicht Folge gegeben.

Den Angeklagten fallen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Text

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil - das auch unangefochten in Rechtskraft erwachsene Freisprüche enthält - wurden die Angeklagten MMag. Dr. Karl P***** (I./B./1-3, C./, D./, E./ und F./1./), Dr. Helmut S***** (I./C./, II./A./2./, B./1./ und C./) und Mag. Christian T***** (I./B./3./) des Verbrechens der Untreue nach § 153 Abs 1, Abs 2 zweiter Fall StGB schuldig erkannt.

Danach haben MMag. Dr. Karl P***** (in der Folge: P*****), Dr. Helmut S***** (in der Folge: S*****) und Mag. Christian T***** (in der Folge: T*****) in Wien

I./ die ihnen durch Gesetz und Rechtsgeschäft in Form von Vollmachten und Stellung als Vorstand oder Geschäftsführer eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, wissentlich missbraucht und dadurch den nachgenannten Gesellschaften einen Vermögensnachteil zugefügt und dabei einen 50.000 Euro übersteigenden Schaden herbeigeführt, und zwar

B./ der C***** GesmbH (in der Folge: CF*****) in Höhe von insgesamt 756.400 Euro, P***** als handelsrechtlicher Geschäftsführer hinsichtlich eines Betrags von 451.000 Euro alleine (1./ und 2./) und P***** und T***** als handelsrechtliche Geschäftsführer der CF***** hinsichtlich eines Betrags von 305.400 Euro (3./) im bewussten und gewollten Zusammenwirken als Mittäter dadurch, dass sie in dem Wissen, dass den nachstehenden Rechnungen an die CF***** keine Leistungen zu Grunde lagen, dennoch die dort fakturierten Beträge auf die dort genannten Konten überwiesen, und zwar

1./ am 20. Juli 2004 der Co***** AG 250.000 Euro aufgrund einer Rechnung vom 28. Juni 2004 über die Vermittlung des Projekts 1030 *****;

2./ am 29. September 2004 der P*****gesmbH 201.000 Euro aufgrund einer Rechnung vom 17. September 2004 über die Vermittlung des Projekts 1180 *****;

3./ am 9. Februar 2005 der S***** GesmbH 305.400 Euro aufgrund einer Rechnung vom 7. Februar 2005 über die Vermittlung von Liegenschaften 1120 *****, 1120 ***** und 1060 *****;

wobei P***** die Anweisung hierzu erteilte und T***** die Durchführung übernahm;

C./ der Co***** AG (in der Folge: C*****) in Höhe von zumindest 4.265.783 Euro, P***** als Vorstand sowie S***** als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der C***** im bewussten und gewollten Zusammenwirken als Mittäter dadurch, dass sie zu nachgenannten Zeiten ohne Einbindung und beschlussmäßige Zustimmung des Aufsichtsrats der C***** sich wechselseitig (auch mit dem abgesondert verfolgten Mag. Norbert G*****) Call-Options-Vereinbarungen, in welchen die C***** als Stillhalter eingesetzt wurde, einräumten und hierfür Optionsprämien an die C***** weder vereinbarten noch entrichteten bzw für die C***** einhoben, und zwar zu nicht mehr festzustellenden Zeitpunkten

1./ zwischen 15. Oktober und 16. Dezember 2004 einen bis zum 15. Oktober 2007 befristeten Call von 1.050.000 Stück Aktien der I*****e***** AG (in der Folge: IE) zum Kurs von 6,51 Euro (Optionsprämie von zumindest 834.855 Euro),

2./ zwischen 23. Mai und 6. Juni 2005 einen bis zum 23. Mai 2008 befristeten Call von 1.050.000 Stück Aktien der I*****f***** AG (in der Folge: IF) zum Kurs von 6,72 Euro (Optionsprämie von zumindest 952.455 Euro),

3./ a./ zwischen 24. Juni und 14. September 2005 einen bis zum 24. Juni 2008 befristeten Call von 1.575.000 Stück Aktien der IE zum Kurs von 6,69 Euro (Optionsprämie von zumindest 1.328.985 Euro),

b./ zwischen 14. Juli und 14. September 2005 einen bis zum 14. Juli 2008 befristeten Call von 1.312.500 Stück Aktien der IE zum Kurs von 6,69 Euro (Optionsprämie von zumindest 1.149.488 Euro);

D./ der C***** I***** GesmbH (in der Folge: IM*****) in Höhe von 6.276.341 Euro, P***** als de-facto-Geschäftsführer der IM***** dadurch, dass er (den vorsatzlosen) T***** anwies, die nachgenannten vier befristeten, unbedingten und rückdatierten Termingeschäfte über den Erwerb von Aktien aus dem Bestand/Depot der IM***** und zwar betreffend

1./ 1.050.000 Stück Aktien der IE zum Kurs von 6,51 Euro, befristet bis zum 15. Oktober 2007;

2./ 1.050.000 Stück Aktien der IF zum Kurs von 6,72 Euro, befristet bis zum 23. Mai 2008;

3./ 1.575.000 Stück Aktien der IE zum Kurs von 6,69 Euro, befristet bis zum 24. Juni 2008;

4./ 1.312.500 Stück Aktien der IE zum Kurs von 6,69 Euro, befristet bis zum 14. Juli 2008;

mit Ernst H***** abzuschließen, T***** dieser Anweisung am 13. Februar 2006 nachkam und P***** von H***** hiefür kein Entgelt verlangte, obwohl der Schlusskurs der Wiener Börse der Aktien am 13. Februar 2006 bei 9,2 Euro hinsichtlich der Aktien der IE und bei 8,63 Euro hinsichtlich der Aktien der IF lag und somit die Vereinbarungen bereits am 13. Februar 2006 mit 11.274.375 Euro gewinnhaltig und somit vermögenswert waren;

E./ der CF***** in Höhe von 6.344.625 Euro, P***** als handelsrechtlicher Geschäftsführer der CF***** dadurch, dass er am 13. Oktober 2006 aus dem Aktiendepot der CF*****

1./ 1.050.000 Stück Aktien der IF um 8,25 Euro, sohin um 1,13 Euro pro Stück unter dem Börsentageskurs in Höhe von 9,38 Euro (Low),

sowie

2./ 3.937.500 Stück Aktien der IE um 8,25 Euro, sohin um 1,31 Euro pro Stück unter dem Börsentageskurs in Höhe von 9,56 Euro (Low)

an die IM***** veräußerte, wobei P***** die Anweisung hierzu erteilte und (der vorsatzlose) T***** die Durchführung übernahm;

F./ der IE in Höhe von 7.147.500 Euro, und zwar

1./ P***** als Vorstand der IE dadurch, dass er (den vorsatzlosen) T***** am 13. Oktober 2006 anwies, 41.147.500 Euro vom Konto der IE über das Konto der I*****f***** B***** AG auf das Konto der IM***** zur Überweisung zu bringen, verbunden mit dem weiteren Auftrag, mit dem überwiesenen Geldbetrag 3.937.500 Stück Aktien der IE sowie 1.050.000 Stück Aktien der IF jeweils zum Kurs von 8,25 Euro pro Stück von der CF***** zu kaufen, obwohl er zu diesem Zeitpunkt unter anderem bereits wusste, dass er schon bei Abschluss der zu Punkt I./D./ dargestellten Termingeschäfte in der Absicht handelte, die aus der Ausübung der Termingeschäfte entstehenden Vermögensnachteile auf die IM***** (I./D./), die CF***** (I./E./) sowie auf die IE (dieses Faktum) zu verteilen und nicht (gänzlich) zurückzuführen,

wobei aufgrund teilweiser Rückführung des Darlehens im Umfang von 34.000.000 Euro an die IE ein Schaden in Höhe von 7.147.500 Euro verblieb;

II./ S***** zur Ausführung der zu I./B./, D./, und F./ dargestellten strafbaren Handlungen zumindest des P***** beigetragen, und zwar

A./ zu den in I./B./ genannten Handlungen dadurch, dass er mit P***** zu einem nicht mehr festzustellenden Zeitpunkt im Zeitraum Mai bis Juli 2004 vereinbarte, Teile der Erlöse aus den Verkäufen der von der L***** GesmbH gehaltenen Aktien der IE mittels Scheinrechnungen dadurch zu lukrieren, dass ihnen (auch Mag. G*****) nahestehende Gesellschaften Rechnungen über insgesamt 756.400 Euro für nicht erbrachte Leistungen an die CF***** ausstellen sollten und die Letztgenannte sodann die dort genannten Beträge überweisen sollte, wobei S***** in Umsetzung dieses Tatplans kurz vor dem 20. Juli 2004 (den diesbezüglich vorsatzlosen) T***** aufforderte, er möge die Rechnung im Namen der Co***** AG B*****/Schweiz an die CF***** über den Betrag von 250.000 Euro erstellen, und demgemäß wusste, dass P***** als handelsrechtlicher Geschäftsführer der CF***** die ihm durch Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis, über das Vermögen der genannten Gesellschaft zu verfügen, durch die zu I./B./1./ angeführte Handlung wissentlich missbrauchte und dass sowohl P***** als auch Mag. Norbert G***** mit den zu I./B./2./ und 3./ angeführten Rechnungen über insgesamt 506.400 Euro Ansprüche für tatsächlich nicht erbrachte Leistungen geltend machen würden;

B./ kurz vor dem 13. Februar 2006 zu den in I./D./ genannten Handlungen des P***** dadurch, dass er mit P***** als de-facto-Geschäftsführer der IM***** vereinbarte, dass dieser T***** als handelsrechtlichen Geschäftsführer der IM***** anweisen sollte, mit Ernst H***** als Treuhänder für Mag. Norbert G*****, S***** und P***** unentgeltlich vier Vereinbarungen über unbedingte Termingeschäfte betreffend den Erwerb von 3.937.500 Stück Aktien der IE und 1.050.000 Stück Aktien der IF abzuschließen, wobei er in dem Wissen handelte, dass P***** als de-facto-Geschäftsführer die ihm konkludent eingeräumte Befugnis, über das Vermögen der IM***** zu verfügen bzw diese zu verpflichten, durch die zu I./D./ angeführten Handlungen wissentlich missbrauchte;

C./ zu der in I./F./ genannten Handlung des P***** dadurch, dass er in Kenntnis, dass die IM***** im Zeitpunkt des Abschlusses der Vereinbarungen mit Ernst H*****...

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