Entscheidungs 11Os53/15a (11Os141/15t). OGH, 12-04-2016

Datum der Entscheidung:12. April 2016
 
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Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 12. April 2016 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Schwab als Vorsitzenden sowie die Hofrätinnen des Obersten Gerichtshofs Dr. Bachner-Foregger, Mag. Michel, Mag. Fürnkranz und den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr. Oberressl in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag. Margreiter, LL.B., als Schriftführerin in der Strafsache gegen Josef K***** und weitere Angeklagte wegen des Verbrechens der Untreue nach § 153 Abs 1, Abs 2 zweiter Fall StGB und anderer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten Dr. Siegfried G***** gegen das Urteil des Landesgerichts Klagenfurt als Schöffengericht vom 27. Februar 2014, GZ 15 Hv 176/12m-392, sowie über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten Dr. Tilo B***** gegen das Urteil des Landesgerichts Klagenfurt als Schöffengericht vom 8. April 2014, GZ 15 Hv 32/14p-438, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

Aus Anlass der Nichtigkeitsbeschwerden werden die angefochtenen Urteile, die im Übrigen unberührt bleiben, je im Schuldspruch I./D./ der ON 392 der Angeklagten Dr. Siegfried G***** und Josef K***** und im Schuldspruch II./B./ der ON 392 des Angeklagten Dr. Wolfgang Ku***** sowie im Schuldspruch B./ der ON 438 des Angeklagten Dr. Tilo B*****, demzufolge auch die jeweils nach § 153 Abs 1, Abs 2 zweiter Fall StGB gebildeten Subsumtionseinheiten, in den Strafaussprüchen sowie der Ausspruch nach § 369 Abs 1 StPO in Ansehung des Dr. B*****, soweit der zugesprochene Teil 73.000 Euro übersteigt, aufgehoben und die Sache in diesem Umfang zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landesgericht Klagenfurt verwiesen.

Mit ihren diesbezüglichen Nichtigkeitsbeschwerden werden die Angeklagten Dr. G***** und Dr. B***** auf diese Entscheidung verwiesen.

Im Übrigen werden die Nichtigkeitsbeschwerden dieser Angeklagten zurückgewiesen.

Das Landesgericht Klagenfurt wird die erforderlichen Kopien dem Oberlandesgericht Graz zur Entscheidung über die Berufungen des Dr. G***** und des Dr. B***** wegen des Ausspruchs über die (bei Letzterem: verbleibenden) privatrechtlichen Ansprüche zu übermitteln haben.

Mit ihren Berufungen wegen des Strafausspruchs werden diese Angeklagten auf dessen Aufhebung verwiesen.

Den Angeklagten Dr. G***** und Dr. B***** fallen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Text

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil vom 27. Februar 2014 (ON 392), das auch unbekämpft in Rechtskraft erwachsene Schuldsprüche der Angeklagten Josef K***** und Dr. Wolfgang Ku***** enthält, wurde der Angeklagte Dr. Siegfried G***** des Verbrechens der Untreue nach § 153 Abs 1, Abs 2 zweiter Fall StGB (I./A./2./a./ bis d./ und I./D./; hier und im Folgenden idF vor BGBl I 2015/112, 154) sowie der Vergehen nach § 255 Abs 1 Z 1 AktG (III./A./), nach § 255 Abs 1 Z 3 AktG (III./D./), nach § 255 Abs 1 Z 4 AktG (III./B./2./) und nach § 255 Abs 1 Z 5 AktG (III./C./ und V./; jeweils idF vor BGBl I 2015/112) schuldig erkannt.

Danach hat Dr. G***** in K***** und an anderen Orten in der Zeit von 31. Oktober 2006 bis 30. April 2008

I./ teils in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken als Mittäter, teils allein seine Befugnisse, über das Vermögen von Konzern-Gesellschaften der H***** (im Folgenden kurz: HGAA) zu verfügen oder diese Gesellschaften zu verpflichten, wissentlich missbraucht, nämlich

A./ indem er als Vorstandsmitglied der Hy***** AG (im Folgenden kurz: HBInt.)

- im Wissen über die nachstehenden negativen Auswirkungen für die HBInt. und damit darüber, dass er diese (vermögens-)schädlichen Folgen, mit denen er sich jeweils abfand, verursachenden Rechtshandlungen nicht vornehmen darf,

- bei (bzw im Zusammenhang mit) den nachgenannten Verkäufen von Vorzugsaktien der Konzerntochter Hyp***** AG (im Folgenden kurz: HLH) durch die HBInt. an Vorzugsaktionäre im Namen der HBInt. Nebenvereinbarungen zugunsten der Ersteren abschloss, welche die HBInt. verpflichteten, die Vorzugsaktien über Verlangen der Vorzugsaktionäre wieder zurückzukaufen, was zur Folge hatte, dass

- diese Vorzugsaktien-Kapitalien (entgegen der nach außen proklamierten Zielsetzung) auf der Ebene der Kreditinstituts-Gruppe (im Folgenden kurz: KI-Gruppe) nicht die Qualität von Kern(Tier-1)Kapital hatten und

- die HBInt. die ihr gegenüber der HLH zustehenden Dividendenansprüche (mit den Vorzugsaktien) an die Vorzugsaktionäre übertrug, ohne dafür eine wertadäquate Gegenleistung - nämlich Kern(Tier-1-)Kapital auf der Ebene der KI-Gruppe - zu erhalten, sondern dafür nur Liquidität bekam, die sie in vergleichbarer Qualität mit geringeren Kosten aufnehmen hätte können, und zwar:

2./ bei den Vorzugsaktienverkäufen

a./ an Ingrid F***** vom 31. Oktober 2006 (10.000 Stück im Gesamtnominale von 10 Mio Euro; Vermögensnachteil: 677.000 Euro),

b./ an die J***** AG vom 22. Dezember 2006 (4.000 Stück im Gesamtnominale von 4 Mio Euro; Vermögensnachteil: 180.000 Euro),

c./ an Lukas L***** vom 22. Dezember 2006 (850 Stück im Gesamtnominale von 850.000 Euro; Vermögensnachteil: 38.000 Euro), und

d./ an die M***** GmbH vom 29. März 2007 (36.150 Stück im Gesamtnominale von 36,15 Mio Euro; Vermögensnachteil: 1,378 Mio Euro);

D./ indem er und Josef K***** sowie - der im erstinstanzlichen Verfahren abgesondert verurteilte - Dr. Tilo B*****

- als Vorstandsmitglieder der HBInt. und Geschäftsführer der Hyp***** GmbH (im Folgenden kurz: HVV [Muttergesellschaft der HLH und Tochtergesellschaft der HBInt.]), Dr. B***** zudem als Aufsichtsratsvorsitzender der HLH, K***** als deren Vorstandsvorsitzender und Dr. G***** als Mitglied des Aufsichtsrats derselben

- veranlassten, dass in der vierten ordentlichen Hauptversammlung der HLH am 28. April 2008 entgegen deren Satzung, die eine nach oben limitierte Vorzugsdividende vorsah, eine über das Limit hinausgehende Sonderdividende im Gesamtbetrag von 2,5 Mio Euro zugunsten der Vorzugsaktionäre beschlossen und von der HLH per 30. April 2008 ohne Gegenleistung an diese ausgezahlt wurde, obwohl K***** und Dr. G***** wussten, dass sie das nicht durften, wodurch (zunächst) die HVV als an sich dividendenberechtigte Stammaktionärin (und letztlich die HBInt.) einen Vermögensnachteil im Betrag von 2,5 Mio Euro erlitt, mit dem sich K***** und Dr. G***** abfanden;

wodurch Dr. G***** der HBInt. und der HVV 50.000 Euro übersteigende Vermögensnachteile von insgesamt 4,773 Mio Euro zufügte;

III./ als Mitglied des Vorstands der HBInt., also der Muttergesellschaft des Konzerns HGAA, die Verhältnisse dieses Konzerns und erhebliche Umstände zu den zuvor angeführten Geschäftsfällen „Vorzugsaktienverkäufe mit Nebenvereinbarungen“

A./ im Konzernabschluss zum Stichtag 31. Dezember 2006 (kurz: Konzernabschluss 2006) unrichtig wiedergegeben, indem er diesen Konzernabschluss mit aufstellte, obwohl er wusste, dass er unrichtig war, weil darin die Nebenvereinbarungen mit Rückverkaufsrechten zugunsten der Vorzugsaktionäre nicht genannt und die darin ausgewiesenen Konzerneigenmittel überhöht dargestellt waren;

B./2./ am 4. April 2007 gegenüber den Wirtschaftsprüfern unrichtig wiedergegeben, indem er schriftlich bestätigte, dass ihm keine Nebenabreden mit den Vorzugsaktionären J***** AG und Lukas L***** bekannt seien, obwohl er wusste, dass es Nebenabreden der dargestellten Art zugunsten der Vorzugsaktionäre gab;

C./ am 26. April 2007 in Berichten an den Aufsichtsrat verschwiegen, indem er zum Bericht von Dr. Ku***** in der 75. Sitzung des Aufsichtsrats und in der 13. Sitzung des Prüfungsausschusses der HBInt. über den in den genannten Punkten (Nebenabreden, überhöhte Darstellung der Konzerneigenmittel) falschen Konzernabschluss 2006 schwieg;

D./ am 31. Mai 2007 in Vorträgen oder Auskünften in der Hauptversammlung verschwiegen, indem er zum Bericht von Dr. Ku***** in der 16. ordentlichen Hauptversammlung der HBInt. über den in den genannten Punkten (Nebenabreden, überhöhte Darstellung der Konzerneigenmittel) falschen Konzernabschluss 2006 nicht berichtete;

V./ am 30. April 2008 als Mitglied des Aufsichtsrats der HBInt., also der Muttergesellschaft des Konzerns HGAA, die Verhältnisse dieses Konzerns und erhebliche Umstände zu den zuvor angeführten Geschäftsfällen „Vorzugsaktienverkäufe mit Nebenvereinbarungen“ in Berichten an den Aufsichtsrat verschwiegen, indem er zum Bericht in der 83. Sitzung des Aufsichtsrats und in der 16. Sitzung des Prüfungsausschusses der HBInt. über den in den genannten Punkten (Nebenabreden, überhöhte Darstellung der Konzerneigenmittel) falschen Konzernabschluss 2007 schwieg.

In dem gemäß § 22 Abs 1, Abs 2 VbVG gemeinsam geführten Verfahren wurde die F***** gemäß § 3 Abs 1 Z 1, Abs 2 VbVG für §§ 12 dritter Fall, 153 Abs 1, Abs 2 zweiter Fall StGB unterstellte Taten, die Dr. Ku***** als ihr Entscheidungsträger (§ 2 Abs 1 Z 1 zweiter Fall VbVG), nämlich ihr damaliges Vorstandsmitglied zu ihren Gunsten rechtswidrig und schuldhaft begangen hatte (II./A./2./,3./,II./B./), verantwortlich erkannt. Das Verfahren über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung der F***** wird vom Obersten Gerichtshof getrennt geführt (AZ 11 Os 10/16d).

Dr. Wolfgang Ku***** hat, soweit hier von Bedeutung, in K*****

II./B./ [der ON 392] zum Zustandekommen der positiven Beschlussfassung am 28. April 2008 und Auszahlung der Sonderdividende per 30. April 2008 zugunsten der Vorzugsaktionäre (I./D./) beigetragen, indem er die F***** unter In-Aussicht-Stellung der Sonderdividende als Vorzugsaktien-Investorin anwarb und K***** sowie Dr. B***** darin bestärkte, die Beschlussfassung und Auszahlung der Sonderdividende zu veranlassen, obwohl er wusste, dass diese jene Rechtshandlungen nicht vornehmen bzw veranlassen durften, weil sie gegen die Satzung der HLH, die nur nach oben limitierte Vorzugsdividenden vorsah, verstießen, und (zunächst) die HVV (und letztlich die HBInt.) einen Vermögensnachteil im Betrag von 2,5 Mio Euro erleidet, weil die Sonderdividende ohne Gegenleistung an die Vorzugsaktionäre abfloss und nicht der...

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