Entscheidungs 13Os145/18z. OGH, 02-10-2019

Datum der Entscheidung:2019/10/02
 
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Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 2. Oktober 2019 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Prof. Dr. Lässig als Vorsitzenden sowie die Hofräte und die Hofrätinnen des Obersten Gerichtshofs Dr. Nordmeyer, Mag. Michel, Dr. Oberressl und Dr. Brenner in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag. Ruckendorfer als Schriftführerin in der Strafsache gegen Mag. Monika R***** und andere Angeklagte wegen Verbrechen der Untreue nach § 153 Abs 1 und 3 zweiter Fall StGB über die Nichtigkeitsbeschwerden und die Berufungen der Angeklagten Christian M*****, Dr. Heinz S*****, Dr. Othmar Ra*****, HR Dr. Eduard P*****, Mag. (FH) Axel Ma***** und Dr. Martin F***** sowie die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landesgerichts Salzburg als Schöffengericht vom 28. Juli 2017, GZ 36 Hv 15/17a-724, nach öffentlicher Verhandlung in Anwesenheit des Vertreters der Generalprokuratur, Generalanwalt Dr. Eisenmenger, der Angeklagten Christian M*****, Dr. Heinz S*****, Dr. Othmar Ra*****, HR Dr. Eduard P*****, Mag. (FH) Axel Ma***** und Dr. Martin F***** sowie deren Verteidiger Dr. Schwendinger, Dr. Müller, Mag. Knötzl, Dr. Ruhri, Dr. Riedl, Mag. Gallauner, Dr. Eder und Mag. Havas zu Recht erkannt:

Spruch

Die Nichtigkeitsbeschwerden werden verworfen.

In Stattgebung der Berufung des Angeklagten Mag. (FH) Axel Ma***** wird die über ihn verhängte Freiheitsstrafe auf zwei Jahre herabgesetzt.

Von dieser Freiheitsstrafe wird gemäß § 43a Abs 3 StGB ein Teil von achtzehn Monaten unter Bestimmung einer Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen.

Weiters wird in teilweiser Stattgebung der Berufung der Staatsanwaltschaft die über den Angeklagten Dr. Othmar Ra***** verhängte Freiheitsstrafe auf zwei Jahre und sechs Monate erhöht.

Von dieser Freiheitsstrafe wird gemäß § 43a Abs 4 StGB ein Teil von zwanzig Monaten unter Bestimmung einer Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen.

Im Übrigen wird den Berufungen nicht Folge gegeben.

Den Angeklagten Christian M*****, Dr. Heinz S*****, Dr. Othmar Ra*****, HR Dr. Eduard P*****, Mag. (FH) Axel Ma***** und Dr. Martin F***** fallen auch die Kosten des Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Text

Entscheidungsgründe:

Mit dem angefochtenen Urteil wurden Mag. Monika R***** und Christian M***** (1), Dr. Heinz S***** (2/A), Dr. Othmar Ra***** (2/B), HR Dr. Eduard P***** (2/C), Mag. (FH) Axel Ma***** (2/D) und Dr. Martin F***** (2/E) jeweils des Verbrechens der Untreue nach § 153 Abs 1 und 3 zweiter Fall StGB schuldig erkannt.

Danach haben in S*****

1) im September 2007 Mag. Monika R***** als Leiterin des Referats 8/02 – Budgetangelegenheiten des Amtes der ***** Landesregierung und Christian M***** als Sachbearbeiter desselben Referats (US 10) ihre am 6. Februar 2003 erteilte Befugnis, über das Vermögen des Landes ***** (kurz: Land) durch Abschluss von Handelsgeschäften mit Banken und Institutionen zu verfügen und das Land dadurch zu verpflichten (US 18), wissentlich missbraucht und dadurch dem Land einen 300.000 Euro übersteigenden Schaden von zumindest drei Millionen Euro zugefügt, indem sie in vier an die Sa***** AG, die „Bank *****“, die U***** und die „B*****“ gerichteten Ersuchen der Stadt ***** (kurz: Stadt) um Änderung bestehender Vertragsverhältnisse (US 82 ff) im Namen des Landes ihr Einverständnis erklärten, insgesamt sechs Swapverträge der Stadt mit einem im Übertragungszeitpunkt negativen Barwert von (gesamt) zumindest drei Millionen Euro rückwirkend zu übernehmen, ohne dafür von der Stadt den im Geschäftsverkehr üblichen Ausgleich in gleicher Höhe zu verlangen (US 95),

(2) zu den zu 1 beschriebenen strafbaren Handlungen

A) Dr. Heinz S***** wissentlich bestimmt und beigetragen, indem er zwischen Ende Juni 2007 und August 2007 mit dem damaligen Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Othmar Ra***** einen darauf abzielenden Konsens herstellte, diesen veranlasste, bevollmächtigten Mitarbeitern des Landes die Durchführung der Vertragsübernahme aufzutragen und die vier an die jeweiligen Banken gerichteten Einverständniserklärungen als Bürgermeister der Stadt unterfertigte,

B) Dr. Othmar Ra***** als für die Finanzen zuständiger Landeshauptmann-Stellvertreter wissentlich bestimmt, indem er zwischen Ende Juni 2007 und August 2007 mit Dr. Heinz S***** einen auf Vertragsübernahme zielenden Konsens herstellte und im Anschluss HR Dr. Eduard P***** anwies, die Übernahme durch die von ihm geleitete Abteilung zu veranlassen,

C) HR Dr. Eduard P***** als Leiter der Finanzabteilung 8 des Amtes der ***** Landesregierung (US 11) wissentlich bestimmt, indem er Ende August 2007 Mag. Monika R***** und Christian M***** anwies, die Vertragsübernahme durchzuführen,

D) Mag. (FH) Axel Ma***** als Sachbearbeiter der Finanzabteilung der Stadt wissentlich beigetragen, indem er die Idee der Übertragung der Verträge an das Land zumindest mitentwickelte (US 459) und die operative Vorbereitung und Umsetzung der Übertragung auf Seiten der Stadt übernahm, indem er am 10. August 2007 an einer Besprechung mit Mag. Monika R***** und HR Dr. Eduard P***** teilnahm, dort sowie mit E-Mail vom 21. August 2007 die nötigen Informationen über die einzelnen Swapverträge erteilte, die Einverständniserklärungen vom 11. September 2007 vorbereitete und den Banken die Übertragung der mit der Stadt bestehenden Vertragsverhältnisse auf das Land avisierte und

E) Dr. Martin F***** „als Assistenz der Ressortleitung innerhalb der MD/00-Magistratsdirektion im Sekretariat des Bürgermeisters“ wissentlich beigetragen, indem er Mag. (FH) Axel Ma***** mittels zweier E-Mails vom 6. August 2007 anleitete, sich umgehend mit HR Dr. Eduard P***** in Verbindung zu setzen, die Produkte mit den negativen Barwerten anzusprechen und ihre Funktionsweise zu erläutern (US 71 f).

Rechtliche Beurteilung

Dagegen wenden sich die Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten Christian M***** (aus § 281 Abs 1 Z 5, 5a, 9 [richtig] lit a und 11 StPO), Dr. Heinz S***** (aus § 281 Abs 1 Z 4, 5, 9 lit a, 9 lit b und 11 StPO), Dr. Othmar Ra***** (aus § 281 Abs 1 Z 4, 5, 5a und 9 lit a StPO), HR Dr. Eduard P***** (aus § 281 Abs 1 Z 4, 5, 5a, 9 lit a, 9 lit b und 10 StPO), Mag. (FH) Axel Ma***** (aus § 281 Abs 1 Z 3, 4, 5, 9 lit a und 11 StPO) und Dr. Martin F***** (aus § 281 Abs 1 Z 3, 4, 5, 5a, 9 lit a und 11 StPO).

Der Erledigung der Nichtigkeitsbeschwerden ist grundlegend voranzustellen:

1. Die Nichtigkeitsgründe des § 281 Abs 1 StPO sind voneinander wesensmäßig verschieden und daher gesondert auszuführen, wobei unter Beibehaltung dieser klaren Trennung deutlich und bestimmt jene Punkte zu bezeichnen sind, durch die sich der Nichtigkeitswerber für beschwert erachtet (RIS-Justiz RS0115902).

2. Die Richtigkeit der Begründung eines in der Hauptverhandlung im Sinn des § 281 Abs 1 Z 4 StPO gefällten Zwischenerkenntnisses steht nicht unter Nichtigkeitssanktion (RIS-Justiz RS0121628).

3. Bezugspunkt der Mängelrüge (Z 5) ist der Ausspruch des Schöffengerichts über entscheidende Tatsachen, also – soweit hier von Interesse (den Strafrahmen betreffende Umstände werden von den Beschwerden insoweit nicht angesprochen) – über schuld- oder subsumtionsrelevante Tatumstände (RIS-Justiz RS0106268). Hievon ausgehend nennt das Gesetz fünf Kategorien von Begründungsfehlern, die Nichtigkeit aus Z 5 nach sich ziehen:

Der Begründungsmangel der Undeutlichkeit (Z 5 erster Fall) liegt dann vor, wenn nicht unzweifelhaft erkennbar ist, ob eine entscheidende Tatsache in den Entscheidungsgründen festgestellt worden oder auch aus welchen Gründen die Feststellung entscheidender Tatsachen erfolgt ist (RIS-Justiz RS0117995).

Unvollständig (Z 5 zweiter Fall) ist ein Urteil dann, wenn das Gericht bei der für die Feststellung entscheidender Tatsachen angestellten Beweiswürdigung (§ 258 Abs 2 StPO) erhebliche, in der Hauptverhandlung vorgekommene (§ 258 Abs 1 StPO) Verfahrensergebnisse unberücksichtigt ließ (RIS-Justiz RS0118316).

Widersprüchlich sind zwei Urteilsaussagen, wenn sie nach den Denkgesetzen oder grundlegenden Erfahrungssätzen nicht nebeneinander bestehen können (13 Os 113/14p). Im Sinn der Z 5 dritter Fall können die Feststellungen über entscheidende Tatsachen in den Entscheidungsgründen (§ 270 Abs 2 Z 5 StPO) und deren Referat im Erkenntnis (§ 260 Abs 1 Z 1 StPO), die Feststellungen über entscheidende Tatsachen in den Urteilsgründen, die zu den getroffenen Feststellungen über entscheidende Tatsachen angestellten Erwägungen sowie die Feststellungen über entscheidende Tatsachen in den Urteilsgründen und die dazu angestellten Erwägungen zueinander im Widerspruch stehen (RIS-Justiz RS0119089).

Offenbar unzureichend (Z 5 vierter Fall) ist eine Begründung, die den Gesetzen folgerichtigen Denkens oder grundlegenden Erfahrungssätzen widerspricht (RIS-Justiz RS0116732 und RS0118317).

Aktenwidrig im Sinn der Z 5 fünfter Fall ist ein Urteil, wenn es den eine entscheidende Tatsache betreffenden Inhalt einer Aussage oder Urkunde in seinen wesentlichen Teilen unrichtig oder unvollständig wiedergibt (RIS-Justiz RS0099431).

Die rechtliche Entscheidung darüber, welchen Tatsachen entscheidende Bedeutung für die Schuld- oder die Subsumtionsfrage zukommt, ist Gegenstand der Rechts- oder der Subsumtionsrüge (Ratz, WK-StPO § 281 Rz 391). Mangelhafte Feststellungen sind Gegenstand der Mängelrüge. Behauptete Feststellungsmängel und Rechtsfehler mangels Feststellungen sind Gegenstand der Rechts- und der Subsumtionsrüge (Ratz, WK-StPO § 281 Rz 555).

Wo das Gesetz auf einen Vergleich der angefochtenen Entscheidung mit Verfahrensergebnissen abstellt (Z 5 zweiter Fall und Z 5 fünfter Fall), ist der entsprechende Aktenbezug herzustellen, was bei – wie hier – umfangreichem Aktenmaterial die genaue Angabe der jeweiligen Fundstelle verlangt (RIS-Justiz RS0124172).

Abgesehen vom Erfordernis der Bezugnahme auf entscheidende Tatsachen und der Verpflichtung des Gerichts zu gedrängter Darstellung der Entscheidungsgründe ist bei der Ausführung der Mängelrüge zu beachten, dass die Beweisergebnisse in ihrer Gesamtheit zu betrachten sind (§ 258 Abs 2 StPO)...

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