Entscheidungs 18ONc2/14k. OGH, 05-08-2014

CourtOberster Gerichtshof (Österreich)
ECLIECLI:AT:OGH0002:2014:018ONC00002.14K.0805.000
Judgement Number18ONc2/14k
Record NumberJJT_20140805_OGH0002_018ONC00002_14K0000_000
Date05 i 2014
Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch die Vizepräsidentin Dr. Huber als Vorsitzende und die Hofräte Dr. Hoch, Univ.-Prof. Dr. Neumayr und Dr. Musger und die Hofrätin Dr. Dehn als weitere Richter in der Schiedsrechtssache der klagenden Partei Dr. W***** A*****, Rechtsanwalt, *****, vertreten durch Dr. Kurt Berger und Dr. Mathias Ettel, Rechtsanwälte in Wien, gegen die beklagten Parteien 1. Dr. S***** K*****, 2. Mag. M***** S*****, 3. Dr. A***** D*****, 4. Mag. A***** S*****, 5. Dr. F***** H*****, 6. Mag. H***** H*****, 7. Mag. M***** W*****, 8. Dr. S***** K*****, 9. Mag. T***** P*****, 10. Mag. K***** S*****, 11. Dr. C***** H*****, 12. Mag. R***** L*****, 13. Dr. R***** L*****, 14. Mag. W***** L*****, 15. Dr. M***** A*****, 16. Mag. H***** B*****, 17. Dr. R***** B*****, 18. Mag. R***** B*****, 19. Mag. L***** E*****, 20. Mag. R***** F*****, 21. Dr. Mag. G***** F*****, 22. Mag. G***** G*****, 23. Mag. Dr. C***** N*****, 24. Dr. C***** O*****, 25. Mag. M***** S*****, 26. Mag. N***** S*****, 27. Dr. Mag. H***** G*****, 28. K***** B*****, 29. R***** B*****, 30. Ing. A***** F*****, 31. Ing. B***** S*****, 32. M***** N*****, 33. K***** D*****, 34. P***** D*****, 35. Dr. M***** M*****, 36. M***** S*****, 37. R***** S*****, und 38. D***** E*****, alle vertreten durch Haslinger/Nagele & Partner Rechtsanwälte GmbH in Linz, wegen Ablehnung des Schiedsrichters ***** Dr. P***** R***** (§ 589 Abs 3 ZPO), in nichtöffentlicher Sitzung den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Die Ablehnung des Schiedsrichters Dr. P***** R***** wird zurückgewiesen.

Der Schiedskläger ist schuldig, den schiedsbeklagten Parteien die mit 448,27 EUR (darin 74,71 EUR Umsatzsteuer) bestimmten Kosten des gerichtlichen Ablehnungsverfahrens zu ersetzen.

Text

Begründung:

Zwischen den Parteien sind zwei Schiedsverfahren anhängig. Hier streiten sie über die Ablehnung des Schiedsrichters Dr. P***** R***** durch den Schiedskläger im früher eingeleiteten (ersten) Schiedsverfahren.

Folgender Sachverhalt ist unstrittig:

Mit Beitrittsvereinbarung vom 20. September 2010 trat der Schiedskläger rückwirkend zum 1. August 2010 als Stiller Gesellschafter im Innenverhältnis dem Gesellschaftsvertrag der L***** OG (idF OG) bei, und zwar „unter Anerkennung aller für alle Partner maßgeblichen Vorschriften“. Am 23. März 2012 unterfertigten 39 Personen - unter ihnen der Schiedskläger - den „vollständigen Gesellschaftsvertrag“ der OG in der Fassung vom 23. März 2012. Dieser Gesellschaftsvertrag enthält in Punkt XX. (2) folgende Schiedsklausel:

„Soweit sich Streitfragen aus oder im Zusammenhang mit diesem Vertrag oder aber aus oder im Zusammenhang mit einem die gesellschaftsrechtlichen Verhältnisse einer nachgeordneten Gesellschaft regelnden Vertrag nicht einvernehmlich lösen lassen, wird für alle Streitigkeiten der ordentliche Rechtsweg ausgeschlossen und die ausschließliche Zuständigkeit zur Entscheidung vertragser-nannten Schiedsrichtern übertragen, die bzw. der nach Anhörung der Streitteile diese Streitfrage nach den Bestimmungen der §§ 577 ff ZPO entscheiden bzw. entscheidet.

Als vertragsernannte Schiedsrichter vereinbaren die Parteien: ***** Dr. P***** R***** als Vorsitzenden, ***** Dr. M***** K*****, RA Dr. C***** S*****.

Ist einer der vertragsernannten Schiedsrichter nicht in der Lage oder nicht willens, als Schiedsrichter tätig zu werden, bestellen die Übrigen einen dritten Schiedsrichter als Vorsitzenden. Sind zwei der vertragsernannten Schiedsrichter nicht in der Lage oder nicht willens, als Schiedsrichter tätig zu werden, entscheidet der Verbleibende die Streitfrage alleine.“ [...]

Mit Schreiben vom 18. April 2012 kündigte der Schiedskläger seine Beteiligung an der OG zum 31. Jänner 2014. Am 16. Juli 2012 beschloss eine Gesellschafterversammlung der OG gegen seinen Widerstand, die Wirkung dieser Kündigung auf den Ablauf des 31. Juli 2012 vorzuverlegen.

Mit Schiedsklage vom 23. August 2012 begehrte der Schiedskläger gegenüber den 38 Schiedsbeklagten die Unwirksamerklärung zweier in der Gesellschaftsversammlung vom 16. Juli 2012 gefasster Beschlüsse, darunter des „Vorverlegungsbeschlusses“. Unter einem „nominierte“ der Schiedskläger Hon.-Prof. DDr. H***** T***** als Schiedsrichter für das zu konstituierende Schiedsgericht. In diesem Zusammenhang wies der Schiedskläger darauf hin, dass er selbst sowie zwei Schiedsbeklagte Rechtsanwälte seien und gemäß § 31 der Richtlinien über die Berufsausübung der Rechtsanwälte (im Folgenden RL-BA) das Schiedsgericht aus drei Rechtsanwälten bestehen müsse. ***** Dr. P***** R***** und ***** Dr. M***** K***** seien keine Rechtsanwälte und könnten daher nicht als Schiedsrichter fungieren. Der verbleibende vertragsernannte Schiedsrichter RA Dr. C***** scheide wegen Befangenheit aus. Folglich sei der Kläger berechtigt, einen Schiedsrichter zu nominieren. Befangenheitsvorwürfe gegen ***** Dr. P***** R***** brachte der Kläger damals nicht vor.

RA Dr. C***** lehnte die Übernahme des Amts des Schiedsrichters ab. Auf Antrag der Schiedsbeklagten bestellte das Landesgericht Linz mit Beschluss vom 23. Oktober 2012, GZ 1 Nc 5/12k-5, die beiden verbliebenen Schiedsrichter Dr. P***** R***** und Dr. M***** K***** als Schiedsrichter zur Entscheidung über die mit Schiedsklage vom 23. August 2012 geltend gemachten Begehren. Dr. P***** R***** ist emeritierter, Dr. M***** K***** ist aktiver Universitätsprofessor an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Johannes Kepler Universität Linz.

Mit Schreiben vom 7. November 2012 forderte der Schiedskläger beide Schiedsrichter auf, alle Umstände offenzulegen, die Zweifel an ihrer Unbefangenheit oder Unabhängigkeit wecken könnten. Dr. M***** K***** teilte ihm mit, dass er nicht mehr zur Übernahme des Schiedsrichteramts bereit sei.

Dr. P***** R***** nannte im Antwortschreiben vom 15. November 2012 als „geschäftliche Beziehung“ die Mitautorschaft eines Gesellschafters der OG (des Fünfzehntbeklagten Dr. M***** A*****) in seinem Kommentar und seine eigene, fünf Jahre zurück liegende Mitwirkung bei einer von einem anderen Gesellschafter (dem Dreizehntbeklagten Dr. R***** L*****) veranstalteten Tagung. Weiters teilte er mit, dass er Sprecher des wissenschaftlichen Kuratoriums einer Privatstiftung sei, die in Erinnerung an den Gründer der Kanzlei der (hier) Beklagtenvertreter gegründet worden sei; weiters sei ein Anwalt dieser Kanzlei in den 1990er-Jahren sein Assistent gewesen.

Mit Schreiben vom 27. November forderte der Schiedskläger Dr. P***** R***** auf, darüber hinausgehende Beziehungen zu Dr. R***** L***** (= Dreizehntbeklagter) und Univ.-Prof. Dr. M***** A***** (= Fünfzehntbeklagter) bekanntzugeben. Dr. P***** R***** antwortete, dass er „wahrheitsgemäß und vollständig“ Auskunft gegeben habe.

Mit Schreiben vom 3. Jänner 2013 leitete Dr. P***** R***** (idF Schiedsrichter) das über die Schiedsklage vom 23. August 2012 zu führende Schiedsverfahren ein.

Mit Schriftsatz vom 24. Jänner 2013 lehnte der Schiedskläger den Schiedsrichter als befangen ab. Als Grund nannte er dessen fehlende, von ihm aber als erforderlich angesehene Qualifikation als Rechtsanwalt. Die Ablehnung wurde nach Durchführung des Verfahrens nach § 589 Abs 2 und 3 ZPO mit Beschluss des Landesgerichts Linz vom 16. August 2013, GZ 29 Nd 2/13a, rechtskräftig zurückgewiesen (Rekurs zurückgewiesen vom OLG Linz zu 6 R 150/13s).

Am 28. Mai 2013 erhoben die OG und ihre Gesellschafter gegen den (hier) Schiedskläger beim verbliebenen Schiedsrichter Dr. P***** R***** die dem Parallelverfahren zugrunde liegende (zweite) Schiedsklage. Sie begehren die Aufhebung der Beitrittsvereinbarung wegen listiger Irreführung, hilfsweise die Feststellung, dass der (hier) Schiedskläger wegen wirksamen Ausschlusses seit 1. August 2012 nicht mehr Gesellschafter der OG sei. Der Schiedsrichter rief den Vertreter des (hier) Schiedsklägers Anfang Juni 2013 an und teilte ihm mit, dass er ihm die (zweite) Klage mit dem Auftrag zur Klagebeantwortung übermitteln werde. Der Vertreter des (hier) Schiedsklägers bestritt telefonisch die Zuständigkeit des Schiedsgerichts und verwies auf die im ersten Verfahren erfolgte Ablehnung, die bei Gericht anhängig sei. Der Schiedsrichter erklärte daraufhin, mit dem Verfahren bis zur Erledigung dieser Ablehnung innezuhalten.

Mit Beschluss vom 26. September 2013 teilte der Schiedsrichter den Parteien mit, dass sich das Schiedsgericht am 6. Juni 2013 konstituiert habe. Nach Vorliegen der Entscheidung über die Ablehnung im ersten Verfahren werde das Schiedsverfahren nun fortgesetzt und dem (hier) Schiedskläger im zweiten Verfahren die Klagebeantwortung binnen vier Wochen aufgetragen.

Der (hier) Schiedskläger erstattete im zweiten Verfahren mit Schriftsatz vom 11. Oktober 2013 eine Klagebeantwortung, in der er die Zuständigkeit des Schiedsgerichts bestritt und den Schiedsrichter ablehnte.

Ebenso lehnte der Schiedskläger mit Schriftsatz vom 11. Oktober 2013 im ersten Schiedsverfahren den Schiedsrichter als befangen ab.

Dieser wies die Ablehnung in beiden Verfahren mit Beschluss vom 18. Dezember 2013 ab. Diese Entscheidung wurde dem rechtsfreundlichen Vertreter des Schiedsklägers noch am 18. Dezember 2013 zugestellt.

Mit dem am 15. Jänner 2014 beim Landesgericht Linz eingebrachten und mit dessen Beschluss vom 21. Jänner 2014, GZ 29 Nc 1/14f-3, gemäß § 44 JN dem Obersten Gerichtshof überwiesenen Ablehnungsantrag gemäß § 589 Abs 3 ZPO begehrt der Schiedskläger, den Schiedsrichter für befangen zu erklären und ihn „als Schiedsrichter im Schiedsverfahren zwischen den Parteien dieses Verfahrens abzulehnen“. Der Antrag deckt sich inhaltlich mit jenem, den der Schiedskläger beim Schiedsgericht gestellt hatte. Er wirft dem Schiedsrichter vor, trotz expliziter Frage des Schiedsklägers nach möglicherweise eine Befangenheit begründenden Umständen nicht ausreichend geantwortet zu haben; er habe nämlich bloß einige für eine Ablehnung relevante Aspekte offengelegt, andere aber verheimlicht. Der Schiedskläger habe zahlreiche Umstände recherchiert, die bei objektiver Betrachtung erhebliche Zweifel an...

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