Entscheidungstexte nº G166/2020 ua (G166-168/20.... VfGH. 06-10-2020

ECLIECLI:AT:VFGH:2020:G166.2020
VERFASSUNGSGERICHTSHOF
Verfassungsgerichtshof
Freyung 8, A-1010 Wien
www.verfassungsgerichtshof.at
G 166-168/2020-15, V 340/2020-15
6. Oktober 2020
IM NAMEN DER REPUBLIK!
Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten
DDr. Christoph GRABENWARTER,
in Anwesenheit der Vizepräsidentin
Dr. Verena MADNER
und der Mitglieder
Dr. Markus ACHATZ,
Dr. Wolfgang BRANDSTETTER,
Dr. Sieglinde GAHLEITNER,
Dr. Andreas HAUER,
Dr. Christoph HERBST,
Dr. Michael HOLOUBEK,
Dr. Helmut HÖRTENHUBER,
Dr. Claudia KAHR,
Dr. Georg LIENBACHER,
Dr. Michael RAMI,
Dr. Johannes SCHNIZER und
Dr. Ingrid SIESS-SCHERZ
als Stimmführer, im Beisein der verfassungsrechtlichen Mitarbeiterin
Mag. Pia DWORSCHAK
als Schriftführerin,
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168/2020-15,
V 340/2020-15
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in dem von Amts wegen eingeleiteten Verfahren zur Prüfung der Verfassungs-
mäßigkeit näher bezeichneter Bestimmungen der Vbg. Landesverfassung, des
Vbg. Gemeindegesetzes und des Vbg. Landes-Volksabstimmungsgesetzes sowie
zur Prüfung der Gesetzmäßigkeit der Verordnung des Bürgermeisters der
Gemeinde Ludesch vom 26. August 2019 über die Anordnung der Volksabstim-
mung "Widmung von Flächen im Neugut" in seiner heutigen nichtöffentlichen
Sitzung gemäß Art. 140 B-VG sowie gemäß Art. 139 B-VG zu Recht erkannt:
I. 1. Die Wortfolge "oder es mindestens von einer Zahl an Stimmberechtigten
der Gemeinde (§ 20) verlangt wird, die wie folgt zu ermitteln ist: a) für die
ersten bis zu 1.500 Stimmberechtigten: 20 % davon; zuzüglich b) für die
nächsten bis zu 1.500 Stimmberechtigten: 15 % davon; zuzüglich c) für die
darüber hinausgehende Zahl von Stimmberechtigten: 10 % davon" in § 22
Abs. 1 Vbg. Gesetz über die Organisation der Gemeindeverwaltung (Ge-
meindegesetz - GG.), Vbg. LGBl. Nr. 40/1985 idF Vbg. LGBl. Nr. 4/2012,
sowie die §§ 58 bis 63 und § 64 Abs. 1 lit. c Vbg. Gesetz über das Verfahren
bei Volksbegehren, Volksabstimmungen und Volksbefragungen (Landes-
Volksabstimmungsgesetz), Vbg. LGBl. Nr. 60/1987 idF Vbg. LGBl.
Nr. 34/2018, werden als verfassungswidrig aufgehoben.
2. Die Aufhebung tritt mit Ablauf des 31. Dezember 2021 in Kraft.
3. Der Landeshauptmann von Vorarlberg ist zur unverzüglichen Kund-
machung dieser Aussprüche im Vorarlberger Landesgesetzblatt verpflichtet.
II. Die Wortfolge "entschieden oder verfügt (Volksabstimmung) und" in Art. 76
Vbg. Verfassungsgesetz über die Verfassung des Landes Vorarlberg (Landes-
verfassung L.V.), Vbg. LGBl. Nr. 9/1999 idF Vbg. LGBl. Nr. 2/2012, der erste
Satz des § 22 Abs. 1 Vbg. Gesetz über die Organisation der Gemeinde-
verwaltung (Gemeindegesetz GG.), Vbg. LGBl. Nr. 40/1985 idF Vbg. LGBl.
Nr. 4/2012, sowie § 69 Abs. 3 Vbg. Gesetz über das Verfahren bei Volks-
begehren, Volksabstimmungen und Volksbefragungen (Landes-Volksab-
stimmungsgesetz), Vbg. LGBl. Nr. 60/1987 idF Vbg. LGBl. Nr. 21/2014,
werden nicht als verfassungswidrig aufgehoben.
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III. 1. Die Verordnung des Bürgermeisters der Gemeinde Ludesch vom
26. August 2019 über die Anordnung der Volksabstimmung "Widmung von
Flächen im Neugut", kundgemacht durch Anschlag an der Amtstafel der
Gemeinde Ludesch vom 26. August 2019 bis 10. November 2019, wird als
gesetzwidrig aufgehoben.
2. Die Vorarlberger Landesregierung ist zur unverzüglichen Kundmachung
dieses Ausspruches im Vorarlberger Landesgesetzblatt verpflichtet.
Entscheidungsgründe
I. Anlassverfahren, Prüfungsbeschluss und Vorverfahren
1. Beim Verfassungsgerichtshof ist zur Zahl W III 2/2019 eine auf Art. 141 Abs. 1
lit. h B-VG gestützte Anfechtung anhängig, der folgender Sachverhalt zugrunde
liegt:
Am 23. April 2019 wurde in der Gemeinde Ludesch gemäß § 58 Vbg. Landes-
Volksabstimmungsgesetz bei der Gemeindewahlbehörde die Durchführung einer
Volksabstimmung über die "Widmung von Flächen im Neugut" beantragt. Die
dieser Volksabstimmung zugrunde zu legende Frage wurde im Antrag wie folgt
formuliert:
"Sollen die im Ludescher Neugut liegenden Grundstücke GST-NRN 1645, 2320,
2321, 2322, 2323, 2313, 2312, 2311/2, 2311/1 und 2310, GB Ludesch, Freihalte-
flächen-Landwirtschaft (FL) bleiben?"
Dieser Antrag wurde mit Bescheid der Gemeindewahlbehörde der Gemeinde
Ludesch vom 17. Mai 2019 gemäß § 60 Abs. 1 leg.cit. für zulässig erklärt. Nach
Einbringung von Unterstützungserklärungen durch die Antragsteller wurde mit
Bescheid der Gemeindewahlbehörde vom 20. August 2019 gemäß § 62 leg.cit.
die Durchführung der beantragten Volksabstimmung beschlossen. Mit der am
26. August 2019 an der Amtstafel der Gemeinde kundgemachten "Verordnung
des Bürgermeisters über die Anordnung der Volksabstimmung 'Widmung von
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