Entscheidungstexte nº G190/2018. VfGH. 12-03-2019

ECLIECLI:AT:VFGH:2019:G190.2018
Date12 n 2019
VERFASSUNGSGERICHTSHOF
Verfassungsgerichtshof
Freyung 8, A-1010 Wien
www.verfassungsgerichtshof.at
G 190/2018-12
12. März 2019
IM NAMEN DER REPUBLIK!
Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz der Präsidentin
Dr. Brigitte BIERLEIN,
in Anwesenheit des Vizepräsidenten
DDr. Christoph GRABENWARTER
und der Mitglieder
Dr. Markus ACHATZ,
Dr. Wolfgang BRANDSTETTER,
Dr. Sieglinde GAHLEITNER,
Dr. Andreas HAUER,
Dr. Christoph HERBST,
Dr. Michael HOLOUBEK,
Dr. Helmut HÖRTENHUBER,
Dr. Claudia KAHR,
Dr. Georg LIENBACHER,
Dr. Michael RAMI und
Dr. Ingrid SIESS-SCHERZ
sowie des Ersatzmitgliedes
Dr. Nikolaus BACHLER
als Stimmführer, im Beisein der verfassungsrechtlichen Mitarbeiterin
Mag. Carolin MARSCHOUN
als Schriftführerin,
G 190/2018-12
12.03.2019
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über den Antrag der ********************************, *********, ****
****************, vertreten durch die KWR Karasek Wietrzyk Rechtsanwälte
GmbH, Fleischmarkt 1/3. Stock, 1010 Wien, § 28 Abs. 1 Konsumentenschutzge-
setz (KSchG), BGBl. 140/1979 idF BGBl. I 91/2003, sowie weitere Wortfolgen als
verfassungswidrig aufzuheben, in seiner heutigen nichtöffentlichen Sitzung
gemäß Art. 140 B-VG zu Recht erkannt:
I. Soweit sich der Antrag auf § 28 Abs. 1 und Abs. 2 des Bundesgesetzes vom
8. März 1979, mit dem Bestimmungen zum Schutz der Verbraucher getrof-
fen werden (Konsumentenschutzgesetz KSchG), BGBl. Nr. 140/1979 in der
Fassung BGBl. I Nr. 6/1997, auf die Wortfolge "unbeschadet des § 28 Abs. 1"
in § 28a Abs. 1 KSchG, BGBl. Nr. 140/1979 in der Fassung BGBl. I
Nr. 35/2016, auf § 28a Abs. 2 KSchG, BGBl. Nr. 140/1979 in der Fassung
BGBl. I Nr. 185/1999, sowie auf den Verweis "§ 28 Abs. 1" in § 29 Abs. 2
KSchG, BGBl. Nr. 140/1979 in der Fassung BGBl. I Nr. 185/1999, bezieht,
wird er abgewiesen.
II. Im Übrigen wird der Antrag zurückgewiesen.
Entscheidungsgründe
I. Antrag
Mit dem vorliegenden, auf Art. 140 Abs. 1 Z 1 lit. d B-VG gestützten Antrag
begehrt die antragstellende Gesellschaft, der Verfassungsgerichtshof möge:
"die folgenden präjudiziellen Bestimmungen, nämlich
§ 28 Abs 1 KSchG, BGBl Nr 140/1979 idF BGBl I Nr 91/2003 sowie in § 28a
Abs 1 KSchG die Wortfolge 'unbeschadet des § 28 Abs. 1', BGBl
Nr 140/1979 idF BGBl I Nr 35/2016, und in § 29 Abs 2 KSchG den Verweis
in eventu
§ 28 Abs 1 und 2 KSchG, BGBl Nr 140/1979 idF BGBl I Nr 91/2003 sowie in
§ 28a Abs 1 KSchG die Wortfolge 'unbeschadet des § 28 Abs. 1' und § 28a
Abs 2, BGBl Nr 140/1979 idF BGBl I Nr 35/2016 sowie in § 29 Abs 2 KSchG
den Verweis '§ 28 Abs. 1', BGBl Nr 140/1979 idF BGBl I Nr 185/1999;
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in eventu
§ 28 Abs 1, 2 und 3 KSchG, BGBl Nr 140/1979 idF BGBl I Nr 91/2003; § 28a
Abs 1, 1a und 2 KSchG, BGBl Nr 140/1979 idF BGBl I Nr 35/2016; § 29
Abs 1, 2 und 3 KSchG, BGBl Nr 140/1979 idF BGBl I Nr 185/1999 sowie
§ 30 Abs 1 und 2 KSchG, BGBl Nr. 140/1979 idF BGBl I Nr. 6/1997;
in Prüfung ziehen und gemäß Art 140 Abs 3 B-VG und § 64 VfGG im nötigen
Umfang als verfassungswidrig aufheben sowie gemäß § 63 Abs 1 VfGG eine
öffentliche mündliche Verhandlung durchführen."
II. Rechtslage
1. Die maßgebliche Rechtslage stellt sich wie folgt dar (die im Hauptantrag
angefochtenen Bestimmungen bzw. Wortfolgen sind hervorgehoben):
2. Die §§ 28, 29 und 30 des Bundesgesetzes vom 8. März 1979, mit dem Bestim-
mungen zum Schutz der Verbraucher getroffen werden (Konsumentenschutzge-
setz KSchG), BGBl. 140/1979 idF BGBl. I 91/2003, lauten samt Überschriften
wörtlich wie folgt:
"II. HAUPTSTÜCK
Verbandsklage
Unterlassungsanspruch
§ 28. (1) Wer im geschäftlichen Verkehr in Allgemeinen Geschäftsbedingungen,
die er von ihm geschlossenen Verträgen zugrunde legt, oder in hiebei verwende-
ten Formblättern für Verträge Bedingungen vorsieht, die gegen ein gesetzliches
Verbot oder gegen die guten Sitten verstoßen, oder wer solche Bedingungen für
den geschäftlichen Verkehr empfiehlt, kann auf Unterlassung geklagt werden.
Dieses Verbot schließt auch das Verbot ein, sich auf eine solche Bedingung zu
berufen, soweit sie unzulässigerweise vereinbart worden ist.
(2) Die Gefahr einer Verwendung und Empfehlung derartiger Bedingungen
besteht nicht mehr, wenn der Unternehmer nach Abmahnung durch eine gemäß
§ 29 klageberechtigte Einrichtung binnen angemessener Frist eine mit angemes-
sener Konventionalstrafe (§ 1336 ABGB) besicherte Unterlassungserklärung
abgibt.
(3) Wer Allgemeine Geschäftsbedingungen oder Formblätter für Verträge ver-
wendet oder empfiehlt, hat diese einer nach § 29 klagebefugten Einrichtung auf
deren Verlangen binnen vier Wochen auszufolgen, sofern die Einrichtung glaub-
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