Entscheidungstexte nº V87/2021. VfGH. 24-06-2021

ECLIECLI:AT:VFGH:2021:V87.2021
Date24 a 2021
VERFASSUNGSGERICHTSHOF
Verfassungsgerichtshof
Freyung 8, A-1010 Wien
www.verfassungsgerichtshof.at
V 87/2021-12
24. Juni 2021
IM NAMEN DER REPUBLIK!
Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz des Präsidenten
DDr. Christoph GRABENWARTER,
in Anwesenheit der Vizepräsidentin
Dr. Verena MADNER
und der Mitglieder
Dr. Markus ACHATZ,
Dr. Sieglinde GAHLEITNER,
Dr. Andreas HAUER,
Dr. Christoph HERBST,
Dr. Michael HOLOUBEK,
Dr. Helmut HÖRTENHUBER,
Dr. Claudia KAHR,
Dr. Georg LIENBACHER,
Dr. Michael RAMI,
Dr. Johannes SCHNIZER und
Dr. Ingrid SIESS-SCHERZ
sowie des Ersatzmitgliedes
MMag. Dr. Barbara LEITL-STAUDINGER
als Stimmführer, im Beisein der verfassungsrechtlichen Mitarbeiterin
Mag. Claudia HÖBARTH
als Schriftführerin,
V 87/2021-12
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über den Antrag des *****************, ******************, **** **************,
vertreten durch Rechtsanwalt MMag. Dr. Michael Schilchegger, Ferdinand-Markl-
Straße 1, 4040 Linz, auf Aufhebung der Verordnung des Bundesministers für
Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, mit der zusätzliche
Schutzmaßnahmen zur Bekämpfung der Verbreitung von COVID-19 (Virusvarian-
te B1.351) getroffen werden (COVID-19-Virusvariantenverordnung COVID-19-
VvV), BGBl. II 63/2021, idF BGBl. II 98/2021 wegen Gesetzwidrigkeit in seiner
heutigen nichtöffentlichen Sitzung gemäß Art. 139 B-VG zu Recht erkannt:
Der Antrag wird abgewiesen.
Entscheidungsgründe
I. Antrag
1. Mit dem auf Art. 139 Abs. 1 Z 3 B-VG gestützten Antrag begehrt der Antrag-
steller, der Verfassungsgerichtshof möge (ohne die Hervorhebung im Original)
"die COVID-19-Virusvariantenverordnung COVID-19-VvV in der im Anfech-
tungszeitpunkt geltenden Fassung (BGBl II 63/2021 idF II 85/2021, II 98/2021) als
gesetzeswidrig bzw. als verfassungswidrig aufheben,
in eventu
nach einem Außerkrafttreten der angefochtenen Verordnung aussprechen, dass
diese gesetzeswidrig bzw. verfassungswidrig war".
II. Rechtslage
1. § 1, § 24, § 40 und § 43a Epidemiegesetz 1950, BGBl. 186/1950, idF BGBl.
I 33/2021 lauteten:
"I. HAUPTSTÜCK.
Ermittlung der Krankheit.
Anzeigepflichtige Krankheiten
§ 1. (1) Der Anzeigepflicht unterliegen:
1. Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfälle an Cholera, Gelbfieber, virusbeding-
tem hämorrhagischem Fieber, infektiöser Hepatitis (Hepatitis A, B, C, D, E),
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Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) und Fuchsbandwurm (Echinococcus
multilocularis), Infektionen mit dem Influenzavirus A/H5N1 oder einem anderen
Vogelgrippevirus, Kinderlähmung, bakteriellen und viralen Lebensmittelvergif-
tungen, Lepra, Leptospiren-Erkrankungen, Masern, MERS-CoV (Middle East
Respiratory Syndrome Coronavirus/'neues Corona-Virus'), Milzbrand, Psittakose,
Paratyphus, Pest, Pocken, Rickettsiose durch R. prowazekii, Rotz, übertragbarer
Ruhr (Amöbenruhr), SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom), trans-
missiblen spongiformen Enzephalopathien, Tularämie, Typhus (Abdominal-
typhus), Puerperalfieber, Wutkrankheit (Lyssa) und Bissverletzungen durch
wutkranke oder -verdächtige Tiere,
2. Erkrankungs- und Todesfälle an Bang`scher Krankheit, Chikungunya-Fieber,
Dengue-Fieber, Diphtherie, Hanta-Virus-Infektionen, virusbedingten Meningoen-
zephalitiden, invasiven bakteriellen Erkrankungen (Meningitiden und Sepsis),
Keuchhusten, Legionärskrankheit, Malaria, Röteln, Scharlach, ckfallfieber,
Trachom, Trichinose, West-Nil-Fieber, schwer verlaufenden Clostridium difficile
assoziierten Erkrankungen und Zika-Virus-Infektionen.
(2) Der Bundesminister für Gesundheit und Frauen kann, wenn dies aus epide-
miologischen Gründen gerechtfertigt oder auf Grund internationaler Verpflich-
tungen erforderlich ist, durch Verordnung weitere übertragbare Krankheiten der
Meldepflicht unterwerfen oder bestehende Meldepflichten erweitern.
[…]
Verkehrsbeschränkungen für die Personen, die sich in Epidemiegebieten aufhal-
ten
§ 24. Sofern dies im Hinblick auf Art und Umfang des Auftretens einer melde-
pflichtigen Erkrankung zum Schutz vor deren Weiterverbreitung unbedingt
erforderlich ist, sind für die in Epidemiegebieten aufhältigen Personen Verkehr-
beschränkungen zu verfügen. Ebenso können Beschränkungen für den Verkehr
mit den Bewohnern solcher Gebiete von außen angeordnet werden.
[…]
Sonstige Übertretungen.
§ 40. (1) Wer durch Handlungen oder Unterlassungen
a) den in den Bestimmungen der §§ 5, 8, 12, 13, 21 und 44 Abs. 2 enthaltenen
Geboten und Verboten oder
b) den auf Grund der in den §§ 7, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 17, 19, 20, 21, 22, 23
und 24 angeführten Bestimmungen erlassenen behördlichen Geboten oder
Verboten oder
c) den Geboten oder Verboten, die in den auf Grund dieses Bundesgesetzes
erlassenen Verordnungen enthalten sind, zuwiderhandelt oder
d) in Verletzung seiner Fürsorgepflichten nicht dafür Sorge trägt, daß die seiner
Fürsorge und Obhut unterstellte Person sich einer auf Grund des § 5 Abs. 1

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