Entscheidungstexte nº G136/2017 ua (G136/2017-1.... VfGH. 07-03-2018

ECLIECLI:AT:VFGH:2018:G136.2017
Date07 n 2018
VERFASSUNGSGERICHTSHOF
Verfassungsgerichtshof
Freyung 8, A-1010 Wien
www.verfassungsgerichtshof.at
G 136/2017-19 ua.*
7. März 2018
IM NAMEN DER REPUBLIK!
Der Verfassungsgerichtshof hat unter dem Vorsitz der
Präsidentin
Dr. Brigitte BIERLEIN,
in Anwesenheit des Vizepräsidenten
DDr. Christoph GRABENWARTER
und der Mitglieder
Dr. Markus ACHATZ,
Dr. Sieglinde GAHLEITNER,
Dr. Christoph HERBST,
Dr. Michael HOLOUBEK,
Dr. Helmut HÖRTENHUBER,
Dr. Claudia KAHR,
Dr. Georg LIENBACHER,
Dr. Johannes SCHNIZER und
Dr. Ingrid SIESS-SCHERZ
als Stimmführer, im Beisein der verfassungsrechtlichen Mitarbeiterin
Mag. Carolin MARSCHOUN
als Schriftführerin,
G 136/2017-19
ua.*
07.03.2018
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über die Anträge des LANDESVERWALTUNGSGERICHTES NIEDERÖSTERREICH,
den Bestandteil "-Integration" in § 7d Abs. 5, § 10 Abs. 4, § 11a und § 11b
MSG, LGBl. 9205-0 idF LGBl. 103/2016, als verfassungswidrig aufzuheben, in
seiner heutigen nichtöffentlichen Sitzung gemäß Art. 140 B-VG zu Recht erkannt:
I. 1. § 10 Abs. 4, § 11a und § 11b Mindestsicherungsgesetz, LGBl. für
Niederösterreich 9205-0 idF LGBl. für Niederösterreich Nr. 103/2016, wer-
den als verfassungswidrig aufgehoben.
2. Frühere gesetzliche Bestimmungen treten nicht wieder in Kraft.
3. Die aufgehobenen Bestimmungen sind nicht mehr anzuwenden.
4. Die Landeshauptfrau von Niederösterreich ist zur unverzüglichen Kund-
machung dieser Aussprüche im Landesgesetzblatt für Niederösterreich ver-
pflichtet.
II. Im Übrigen werden die Anträge zurückgewiesen.
Entscheidungsgründe
I. Anträge
Mit den zu G 136/2017, G 138/2017, G 149/2017, G 150/2017, G 152/2017,
G 155/2017, G 173/2017, G 243/2017 und G 244/2017 protokollierten, auf
Art. 140 Abs. 1 Z 1 lit. a B-VG gestützten Anträgen begehrt das Landesverwal-
tungsgericht Niederösterreich, § 11b NÖ Mindestsicherungsgesetz (im Folgen-
den: NÖ MSG), LGBl. 9205-0 idF LGBl. 103/2016, als verfassungswidrig aufzuhe-
ben.
Mit den zu G 137/2017, G 140/2017, G 142/2017, G 146/2017, G 147/2017,
G 153/2017, G 159/2017, G 164/2017, G 170-172/2017 und G 174/2017-
G 176/2017 protokollierten, auf Art. 140 Abs. 1 Z 1 lit. a B-VG gestützten Anträ-
gen begehrt das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich, "-Integration" im
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G 136/2017-19
ua.*
07.03.2018
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ersten Satz des § 7d Abs. 5 sowie § 10 Abs. 4, § 11a und § 11b NÖ MSG, LGBl.
9205-0 idF LGBl. 103/2016, als verfassungswidrig aufzuheben.
Mit den zu G 139/2017, G 141/2017, G 143/2017-G 145/2017, G 148/2017,
G 151/2017, G 154/2017, G 157/2017, G 158/2017, G 160-163/2017 und
G 169/2017 protokollierten, auf Art. 140 Abs. 1 Z 1 lit. a B-VG gestützten Anträ-
gen begehrt das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich, "-Integration" im
ersten Satz des § 7d Abs. 5 sowie § 10 Abs. 4, § 11a NÖ MSG, LGBl. 9205-0 idF
LGBl. 103/2016, als verfassungswidrig aufzuheben.
II. Rechtslage
Das NÖ Mindestsicherungsgesetz (NÖ MSG), LGBl. 9205-0 idF LGBl. 103/2016,
lautet auszugsweise wie folgt (die angefochtenen Bestimmungen sind hervorge-
hoben):
"§ 5
Anspruchsberechtigte Personen
(1) Anspruch auf Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung haben
nach Maßgabe dieses Abschnittes Personen, die
1. hilfsbedürftig sind,
2. ihren Hauptwohnsitz oder mangels eines solchen ihren Aufenthalt in Niederös-
terreich haben und
3. zu einem dauernden Aufenthalt im Inland berechtigt sind.
(2) Zum Personenkreis nach Abs. 1 Z 3 gehören jedenfalls:
1. österreichische Staatsbürger und Staatsbürgerinnen sowie deren Familienan-
gehörige, die über einen Aufenthaltstitel 'Familienangehöriger' gemäß § 47
Abs. 2 NAG verfügen;
2. Staatsangehörige eines anderen Vertragsstaates des Europäischen Wirt-
schaftsraumes oder der Schweiz sowie deren Familienangehörige im Sinne der
Richtlinie 2004/38/EG, jeweils soweit sie durch den Bezug dieser Leistungen
nicht ihr Aufenthaltsrecht verlieren würden oder die Einreise nicht zum Zweck
des Bezuges von Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung erfolgt ist;
3. Asylberechtigte gemäß § 3 AsylG 2005;
4. Drittstaatsangehörige mit einem Aufenthaltstitel
a) 'Daueraufenthalt-EU' gemäß § 45 NAG oder
b) 'Daueraufenthalt-EU' eines anderen Mitgliedstaates und einem Aufenthaltsti-
tel gemäß § 49 NAG.
(3) Keinen Anspruch auf Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung
des Landes haben insbesondere:
1. Personen nach Abs. 2 Z 2 während der ersten drei Monate ihres Aufenthaltes
im Inland, außer es handelt sich um Arbeitnehmer oder Selbständige und deren
Familienangehörige;
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