Verordnung der Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, mit der Ausbildungsvorschriften für den Lehrberuf Betriebslogistikkaufmann/ Betriebslogistikkauffrau (Betriebslogistikkaufmann/Betriebslogistikkauffrau-Ausbildungsordnung) erlassen werden

47. Verordnung der Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, mit der Ausbildungsvorschriften für den Lehrberuf Betriebslogistikkaufmann/ Betriebslogistikkauffrau (Betriebslogistikkaufmann/Betriebslogistikkauffrau-Ausbildungsordnung) erlassen werden

Auf Grund des § 8 des Berufsausbildungsgesetzes (BAG), BGBl. Nr. 142/1969, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 32/2018, wird verordnet:

Lehrberuf Betriebslogistikkaufmann/Betriebslogistikkauffrau

§ 1.

(1) Der Lehrberuf Betriebslogistikkaufmann/Betriebslogistikkauffrau ist mit einer Lehrzeit von drei Jahren eingerichtet.

(2) In den Lehrverträgen, Lehrzeugnissen, Lehrabschlussprüfungszeugnissen und Lehrbriefen ist der Lehrberuf in der dem Geschlecht des Lehrlings entsprechenden Form (Betriebslogistikkaufmann bzw. Betriebslogistikkauffrau) zu bezeichnen.

Berufsprofil

§ 2.

(1) Mit dem positiven Abschluss der Lehrabschlussprüfung und der Berufsschule verfügt der Betriebslogistikkaufmann/die Betriebslogistikkauffrau über folgende berufliche Kompetenzen:

1. Fachliche Kompetenzbereiche:
a) Betriebslogistik
Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau verfügt über ein grundsätzliches Verständnis über die Wertschöpfungskette und den gesamtbetrieblichen Warenfluss. Weiters hat er/sie ein umfangreiches Wissen über den Warentransport. Bei der Bewältigung seiner/ihrer Aufgaben setzt er/sie Transportmittel (wie zB Flurförderfahrzeuge oder Transportbänder) bzw. Transporthilfsmittel (wie zB Europaletten, Rollcontainer oder Kisten) fachgerecht und entsprechend den rechtlichen sowie betrieblichen Vorgaben ein. Um seine/ihrer Aufgaben umzusetzen, nutzt er/sie das betriebliche Lagerverwaltungsprogramm und verwendet betriebliche Identifizierungssysteme. Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau ist in der Lage, lagerspezifische Kennzahlen zu interpretieren und mögliche Maßnahmen zur Optimierung vorzuschlagen.
b) Lagerwirtschaft
Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau übt vielfältige Aufgaben im Bereich der Lagerwirtschaft aus. Er/sie übernimmt den Wareneingang. Dabei entnimmt er/sie die für die Bearbeitung relevanten Informationen aus den Lieferdokumenten, führt den Abgleich zwischen den tatsächlich gelieferten Waren und den Lieferdokumenten durch und kontrolliert die gelieferten Waren nach vom Betrieb vorgegebenen Kriterien. Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau übernimmt außerdem die Wareneingangsbuchungen, lagert die Waren am Lagerplatz ein und achtet darauf, dass die betriebs- und produktspezifischen Lagerungsvorschriften eingehalten werden. Bei nicht-ordnungsgemäßer Lieferung ergreift er/sie Maßnahmen entsprechend den betrieblichen Vorgaben und setzt die Retourenbearbeitung um.
Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau ist in der Lage, sämtliche Warenbewegungen durchzuführen. Er/Sie übernimmt neben dem Einlagern der Waren auch deren Um- und Auslagerung. Außerdem gehört es zu seinen/ihren Aufgaben, die Lagerbestände zu kontrollieren und bei Abweichungen Maßnahmen entsprechend den betrieblichen Vorgaben zu ergreifen.
Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau ist in der Lage, das Kommissionieren von Waren zu übernehmen. Er/Sie sorgt auch dafür, dass die Waren für den Transport fachgerecht verpackt sind und stellt diese für den Warenausgang bereit. Außerdem erstellt er/sie die Versanddokumente.
Es gehört auch zu den Aufgaben des Betriebslogistikkaufmanns/der Betriebslogistikkauffrau, bei der Inventur mitzuwirken. Er/Sie führt die dafür notwendigen Vorbereitungsarbeiten durch und erfasst die Warenbestände nach rechtlichen und betrieblichen Vorgaben.
c) Materialwirtschaft
Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau ermittelt den Warenbedarf und berücksichtigt dabei den Einfluss von Dispositionsparametern (zB Meldebestand, Sicherheitsbestand, Mindestbestand) sowie der Wartung einschließlich der Veränderung von Stammdaten (wie zB von Kreditoren und Artikeln). Er/sie ist in der Lage, vom Lagerwirtschaftssystem vorgeschlagene Bedarfsmengen auf Plausibilität zu prüfen und gegebenenfalls Korrekturen vorzunehmen.
d) Betriebliches Rechnungswesen
Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau berücksichtigt darüber die Grundsätze unternehmerischen Denkens bei seinen/ihren Aufgaben und handelt kostenbewusst. Er/Sie führt Arbeiten im betrieblichen Rechnungswesen durch. Dazu zählt das Bearbeiten von Belegen des Lehrbetriebs und die Vorbereitung für die Verbuchung.
2. Fachübergreifende Kompetenzbereiche:
Zur Erfüllung dieser fachlichen Aufgaben, die der Betriebslogistikkaufmann/die Betriebslogistikkauffrau in unterschiedlichen Branchen erfüllen kann, setzt er/sie folgende fachübergreifende Kompetenzen ein:
a) Arbeiten im betrieblichen und beruflichen Umfeld
Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau verfügt über grundlegende Kenntnisse des betrieblichen Leistungsspektrums und betriebs- und volkswirtschaftlicher sowie ökologischer Zusammenhänge, um seine/ihre Tätigkeiten effizient und nachhaltig zu organisieren und auszuführen. Er/Sie agiert innerhalb der betrieblichen Aufbau- und Ablauforganisation selbst-, sozial- und methodenkompetent und bearbeitet die ihm/ihr übertragenen Aufgaben lösungsorientiert sowie situationsgerecht auf Basis seines/ihres Verständnisses für Intrapreneurship. Darüber hinaus kommuniziert er/sie zielgruppenorientiert, berufsadäquat auch auf Englisch, und agiert kundenorientiert.
b) Qualitätsorientiertes, sicheres und nachhaltiges Arbeiten
Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau wendet die Grundsätze des betrieblichen Qualitätsmanagements an und bringt sich in die Weiterentwicklung der betrieblichen Standards ein. Er/Sie reflektiert sein/ihr eigenes Vorgehen und nutzt die daraus gewonnenen Erkenntnisse in seinem/ihrem Aufgabenbereich. Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau beachtet die rechtlichen und betrieblichen Regelungen für seine/ihre persönliche Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz und handelt bei Unfällen und Verletzungen situationsgerecht. Im Rahmen seines/ihres Aufgabenbereiches berücksichtigt er/sie wesentliche ökologische Auswirkungen seiner/ihrer Tätigkeit und handelt somit nachhaltig und ressourcenschonend.
c) Digitales Arbeiten
Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau wählt im Rahmen der rechtlichen und betrieblichen Vorgaben die für seine/ihre Aufgaben am besten geeignete/n digitalen Geräte, betriebliche Software und digitalen Kommunikationsformen aus und nutzt diese effizient. Er/Sie beschafft auf digitalem Weg die für die Aufgabenbearbeitung erforderlichen betriebsinternen und -externen Informationen. Der Betriebslogistikkaufmann/Die Betriebslogistikkauffrau agiert auf Basis seiner/ihrer digitalen Kompetenz zielgerichtet und verantwortungsbewusst. Dazu zählt vor allem der sensible und sichere Umgang mit Daten unter Berücksichtigung der rechtlichen und betrieblichen Vorgaben (zB Datenschutzgrundverordnung).

Berufsbild

§ 3.

(1) Zum Erwerb der im Berufsprofil angeführten beruflichen Kompetenzen wird das folgende Berufsbild mit Kenntnissen und Fertigkeiten in Form von Ausbildungszielen festgelegt.

(2) Das Berufsbild gliedert sich in fachübergreifende und fachliche Kompetenzbereiche.

(3) Die fachlichen Kompetenzbereiche sind nach Lehrjahren gegliedert. Die in den Kompetenzbereichen angeführten Kenntnisse und Fertigkeiten sind spätestens bis zum Ende des jeweils angeführten Lehrjahres zu vermitteln.

(4) Die fachübergreifenden Kompetenzbereiche sind während der gesamten Lehrzeit zu berücksichtigen und zu vermitteln.

(5) Fachübergreifende Kompetenzbereiche sind:

1. Kompetenzbereich: Arbeiten im betrieblichen und beruflichen Umfeld
1.1 Betriebliche Aufbau- und Ablauforganisation
Er/Sie kann?
1.1.1 sich in den Räumlichkeiten des Lehrbetriebs zurechtfinden.

1.1.2 die wesentlichen Aufgaben der verschiedenen Bereiche des Lehrbetriebs erklären.

1.1.3 die Zusammenhänge der einzelnen Betriebsbereiche sowie der betrieblichen Prozesse darstellen.

1.1.4 die wichtigsten Verantwortlichen nennen (zB Geschäftsführer/in) und seine/ihre Ansprechpartner/innen im Lehrbetrieb erreichen.

1.1.5 die Vorgaben der betrieblichen Ablauforganisation und des Prozessmanagements bei der Erfüllung seiner/ihrer Aufgaben berücksichtigen.

1.2 Leistungsspektrum und Eckdaten des Lehrbetriebs

Er/Sie kann?

1.2.1 das betriebliche Leistungsangebot beschreiben.

1.2.2 das Leitbild bzw. die Ziele des Lehrbetriebs erklären.

1.2.3 die Struktur des Lehrbetriebs beschreiben (zB Größenordnung, Tätigkeitsfelder, Rechtsform).

1.2.4 Faktoren erklären, die die betriebliche Leistung beeinflussen (zB Standort, Zielgruppen).

1.3 Branche des Lehrbetriebs

Er/Sie kann?

1.3.1 einen Überblick über die Branche des Lehrbetriebs geben.

1.3.2 die Position des Lehrbetriebs in der Branche darstellen.

1.4 Ziel und Inhalte der Ausbildung sowie Weiterbildungsmöglichkeiten

Er/Sie kann?

1.4.1 den Ablauf seiner/ihrer Ausbildung im Lehrbetrieb erklären (zB Inhalte und Ausbildungsfortschritt).

1.4.2 Grundlagen der Lehrlingsausbildung erklären (zB Ausbildung im Lehrbetrieb und in der Berufsschule, Bedeutung und Wichtigkeit der Lehrabschlussprüfung).

1.4.3 die Notwendigkeit der lebenslangen Weiterbildung erkennen und sich mit konkreten Weiterbildungsangeboten auseinandersetzen (zB Staplerschein, Ladungssicherungskurs).

1.5 Rechte, Pflichten und Arbeitsverhalten

Er/Sie kann?

1.5.1 auf Basis der gesetzlichen Rechte und Pflichten als Lehrling seine/ihre Aufgaben erfüllen.

1.5.2 Arbeitsgrundsätze wie Sorgfalt, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Pünktlichkeit etc. einhalten und sich mit seinen/ihren Aufgaben im Unternehmen
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